Sonntag, 29. Mai 2022
Home > Aktuell > Radfahren im Winter in Berlin

Radfahren im Winter in Berlin

Mountain-Bike im Schnee

Schnee und Eis kommen meist überraschend, sind höchstens drei-vier Tage vorhersehbar. Für den Radverkehr ist das eine winterübliche Beeinträchtigung, auf die man sich jedoch nur schwer einrichten kann.

Der Tipp vom ADFC, mit dem Aufziehen von Winterreifen, lohnt meist nicht, denn Schnee liegt in Berlin nicht wochenlang, und wird schon nach Stunden auf allen Straßen geräumt.

In jedem Fall können Radfahrende bei Schnee auf der geräumten Fahrbahn fahren, dies ist auch bei nicht geräumten und benutzungspflichtigen Radwegen möglich. Denn ist weder geräumt, noch gestreut, entfällt die Benutzungspflicht auf den mit blauen Schild gekennzeichneten Radwegen.

Praxisbezogen sind die anderen Tips des ADFC:

  • Abstand halten
  • Tempo reduzieren
  • in Kurven weder treten noch bremsen, insbesondere bei fester Schneedecke und Glätte
  • lässt sich Bremsen nicht vermeiden, frühzeitig und maßvoll bremsen
  • auf Glatteis Lenkbewegungen vermeiden und ohne bremsen ausrollen
  • Mehr Halt auf der Fahrbahn: Luftdruck im Reifen etwas absenken
  • Wem es zu kippelig wird, kann auch den Sattel etwas absenken – aber nicht für zu lange Zeit, sonst drohen Knieprobleme.

Schneeräumen: auf Radwegen wird zum logistischen Problem

Alle verkehrswichtigen „innerörtlichen“ Radwege sollten schneller geräumt und ggf. gestreut werden. Dazu muss ggf. der Fuhrpark der Berliner Stadtreinigung angepasst werden, denn Poller und Schutzelemente der Radverkehrsstreifen sind für die Schneeräumung große Erschwernisse.
Erschwerend kommt hinzu: Straßen sind nicht mehr mit einer einzigen Schneeräumtour in einer Fahrtrichtung zu räumen, weil eigens schmalere Räumfahrzeuge für Radverkehrsstreifen eingesetzt werden müssen.

Radwege auf den althergebrachten Hochbordradwegen sind zudem noch schmaler, als moderne Radverkehrsstreifen. Hierfür müsste ein noch kleineres Räumfahrzeug mit nur 1-1,20 Meter Breite eingesetzt werden.

Auftausalze – keine gute Idee

Der Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und die Arbeitsgruppe Stadtbäume der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter (VSSG) haben bereits im Dezember 2011 haben ein gemeinsames Positionspapier herausgegeben. Der laufende bundesweite Ausbaus der Radverkehrsinfrastruktur und die damit verbundenen Forderung nach einem intensivierten Winterdienst für Radwege und Einsatz von Auftaumitteln geht weiter zu Lasten der Straßenbäume.
Salz (Natriumchlorid) führt zu einem Strukturverfall der Bodenpartikel, der Boden verdichtet sich, sein Sauerstoffgehalt nimmt ab und die Wasseraufnahme wird so stark beeinträchtigt, dass es bis zur Austrocknung der Pflanzen, der Wipfeldürre bei Bäumen, kommen kann (physiologische Trockenheit).
Natrium- und Chloridionen sind überdies phytotoxisch und verschärfen durch Austauschvorgänge mit anderen Ionen im Boden die Mangelsituation der Bäume im Straßenraum. — Chloridionen werden schnell in großen Mengen über die Wurzel aufgenommen, da sie sich wegen ihrer hohen Mobilität in der Bodenlösung in der Rhizosphäre anreichern können.
Bei bei trockener Witterung und und damit hoher Wasseraufnahmerate führen selbst niedrige Chloridgehalte im Boden zu Blattnekrosen und auf Dauer zum Absterben der Bäume.

Streusalz lässt Fahrräder schneller rosten

Schnee, Eis und Nässe greifen vorzugsweise die Verschleißteile eines Fahrrads an. Bremsen nutzen beispielsweise schneller ab, wenn die Felgen mit Matsch beschmutzt sind. Eis kann auch Bremsen blockieren. Die Fahrradkette ist ein häufiges Opfer von Streusalz und kann bereits nach wenigen Tagen rosten. Es ist daher mehr Zeit zur Pflege und Überprüfung des Rads aufzuwenden, wenn es durch Schnee, Matsch und Eis bewegt wird. Während frischer Schnee einfach abtaut, ist der typische Schneematsch mit Granulat, öligen Schmutzresten und Reifenabrieb verschmutzt.
Die Reinigung des Fahrrads wird zur Fleißaufgabe, wenn die Matschreste antrocknen und festbacken. Dann hilft nur noch der Weg in eine Autowaschanlage und die schonende Hochdruckreinigung.

Twitter-Ideen von Verkehrs- und Umweltsenatorin Bettina Jarasch

Die Senatsrin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, Bettina Jarasch (Bündnis 90/Grüne) schrieb auf Twitter: „Wir sind mit der BSR weiter im Austausch, um bessere Räumungsleistungen zu erreichen.“ Jarasch will am kommenden Dienstag einen Pilotversuch vorschlagen, bei die Radwege mit Sole gereinigt werden können.

Der Schnee ist dann voraussichtlich abgetaut, und das noch viel größere Problem beim Radverkehrsausbau wird dann sichtbar: „verdreckte und beschädigte Poller und Schutzelemente“ an den neu angelegten geschützten Radverkehrsstreifen.