Freitag, 30. September 2022
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Inge Auerbacher: Die Krankheit des Judenhasses muss geheilt werden

Torhaus des KZ Auschwitz-Birkenau - gesehen von der Zugrampe im Inneren des Lagers

In vielen Veranstaltungen wird gestern bundesweit an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 77 Jahren und die vielen von den Nationalsozialisten ermordeten Opfer erinnert. Das in seiner Art einzigartige Menschheitsverbrechen der Massentötung von bis zu 6,3 Millionen Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Kultur erschüttert noch immer in tiefer und emotional kaum unaussprechlicher Weise.

So ist es noch immer unerläßlich, Zeitzeugen das Wort zu geben.

Die Vielzahl der Veranstaltungen macht es auch erforderlich, auszuwählen, weil die Ereignisse vor Ort durch Vorveröffentlichungen und Verlautbarungen eines Teils ihrer Authentizität beraubt werden.

So muss ausgewählt werden, was journalistisch festgehalten, und welche mediale Tür geöffnet wird.

Die Gedenkstunde des Deutschen Bundestages hat diesmal die Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher zu den Abgeordneten sprechen lassen. Ihr Wort wird den 77. Gedenktag weit überleben und neue Erinnerung prägen.

Inge Auerbacher: Die Krankheit des Judenhasses muss geheilt werden

Die Inhalte des Internetangebotes des Deutschen Bundestages sprechen für sich selbst.

Das Wort von der „Krankheit des Judenhasses“ öffnet auch eine neue Perspektive, im Umgang mit Menschen, die Hasstaten begehen und sich gegen Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Kultur wenden.

Es handelt sich um eine tief in der Menschheitsgeschichte verankerte „Zivilisationskrankheit“, die als Krankheit begriffen und bekämpft werden muss. Das Entstehen dieser Krankheit geht in allen Formen auf „Erzählungen“ und „Meme“ zurück, die sich zu Ideologien auswachsen konnten, weil sie irgendwann „ansteckend“ und „übertragbar“ wurden — wie Viren und wie „virale Hasspropaganda“.

Journalismus sollte helfen, diese Krankheit als „Zivilisationskrankheit“ zu verstehen, und Mechanismen verstehen lernen, die „immerneuen Hass“ hervorrufen.

In Zeiten medial entgrenzter Kommunikation braucht es dazu mehr Dialog, Diskurs, Disput und lebendiger politischer Kultur und direkten klugen maßvollen Streit. Das Mediensystem darf nicht selbst Quelle für neuen Hass werden!