Samstag, 26. November 2022
Home > Aktuell > Textilabfall – die Quelle zukünftiger Mode

Textilabfall – die Quelle zukünftiger Mode

Kleiderrecycling in der Mode

Die Textilindustrie produziert heutzutage riesige Müllberge in Europa. Weniger als 1% dieses Abfalls wird durch Recycling wieder in neue Mode zurückgeführt. Es gibt offenbar ein enormes Potential für die Einsparung und Wiederverwertung.

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company hat die Studie „Scaling textile recycling in Europe – turning waste into value“ veröffentlicht. Die Studie berechnet, wie sich das Textilmüllvolumen sowie Sammel- und Recyclingraten bis 2030 positiv entwickeln könnten.

Im Schnitt produziert jeder Mensch in Europa mehr als 15 Kilogramm Textilmüll pro Jahr, Tendenz steigend. 65% dieses Abfalls von privaten Haushalten landet direkt in der Müllverbrennung oder auf der Mülldeponie. Ein Drittel der alten Kleidung wird gesammelt und wiederverwendet, als Second-Hand-Mode oder grob recyceltes Textil wie Lappen. Die Modeindustrie selbst profitiert bisher nicht einmal 1% von dem riesigen Berg an Alttextilien für die Neuproduktion.

Die Studie beschreibt, dass die Produktion neuer Fasern für die Mode bis 2030 auf 18-26% gesteigert werden können.

Die Umwandlung erfolgt durch das so genannte Fiber-to-fiber-Recycling, die Methode gilt als besonders nachhaltig, um aus alten Textilien neue zu generieren.

„Dieses so genannte Fiber-to-fiber-Recycling, bei dem aus Textilfasern neue Fasern für Mode hergestellt werden, stellt die nachhaltigste Möglichkeit dar, um aus Müll etwas Neues mit Wert zu generieren“, erklärte Jonatan Janmark, Co-Autor der Studie und Partner im Stockholmer Büro von McKinsey.

Die Rückführung von Textilmüll in die Kreislaufwirtschaft birgt ein enormes Potential auch für die Recyclingindustrie. Sie könnte sechs bis acht Milliarden Euro mehr Umsatz und jährliche Renditen von 20-25% erzielen. Allerdings benötigt die Industrie dafür insgesamt ca. 6-7 Milliarden Euro an Investitionen. Damit wird die gesamte Wertschöpfungskette finanziert, vom Sammeln, Sortieren bis hin zum Aufbau von Recyclingfabriken. Neue und schon im Teststadium verfügbare Technologien müssen etabliert und weiterentwickelt werden. Dazu zählen das mechanische Recycling von Baumwolle, die Verarbeitung zu Viskosefasern sowie das chemische Recycling für die Wiederverwertung von Polyester.

Die mögliche Einsparung von CO2 durch die Rückführung des Textilmülls in die Kreislaufwirtschaft ist enorm. Bei Verwertung von 18-26% des Kleidermülls bis 2030 für neue Mode kann die Industrie vier Millionen Tonnen CO2 einsparen. Der wachsende Industriezweig generiert darüber hinaus neue Arbeitsplätze, McKinsey schätzt einen Zugewinn an 15.000 neuen Jobs in Europa.

Karl-Hendrik Magnus, Senior Partner und Leiter der Modeindustrieberatung bei McKinsey in Deutschland äussert sich dazu optimistisch: „Ein skaliertes Textilrecycling würde nicht nur vier Millionen Tonnen CO2 einsparen, sondern auch einen profitablen Wirtschaftszweig mit 15.000 Jobs in Europa schaffen.“

McKinsey ist weltweit tätig und unterstützt Unternehmen und Organisationen bei der Umsetzung eines nachhaltigen, integrativen Wachstums. Die Teams arbeiten in mehr als 130 Städten und 65 Ländern. In Deutschland sind McKinsey-Büros in zahlreichen Städten ansässig, so zum Beispiel in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.


Weitere Informationen:

www.mckinsey.de