Freitag, 12. Juni 2026
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Sri Ganesha-Tempel eröffnet in der Hasenheide

Hindutempel Hasenheide

Von Amina Mendez

Nach 21 Jahren Bauzeit wurde der Sri-Ganesha-Tempel in der Hasenheide eingeweiht. In der Zeit vom 3. bis zum 7. Juni 2026 wurde im hinduistischen Tempel ein außergewöhnliches Fest zelebriert. Bei der großen Eröffnung mit Maha Kumbhabhishekam wurde fünf Tage lang eine vedische Tempelweihe durchgeführt. Es war ein außergewöhnliches Ereignis für Berlin-Neukölln. Das Programm folgte dabei strengen traditionellen Regeln. Es war eine farbenfrohe Feier des Tempeldienstes, der Reinigung und der Segnung des neu erbauten Tempels.

Die Festlichkeiten begannen mit der rituellen Reinigung des Geländes (Vastu Shanti), danach folgte die Aussaat der Sprossen (Ankurapanam), dann das Einhauchen des Lebens (Prana Pratishta) bis zur großen Kumbhabhishekam, der abschließenden Weihezeremonie, am Sonntagmorgen. Jeden Abend von 18 bis 20 Uhr gab es ein offenes freudevolles Kulturprogramm mit klassischer indischer Musik und Tanzvorführung.

Das Ritual der Keimung – eine Ehrerbietung an das Leben

Das Ankurapanam-Ritual hatte seinen Höhepunkt am 5. Juni. Beim Ankurapanam, dem Keimungs-Ritual, werden Keimlinge als Symbol von Fruchtbarkeit, Dankbarkeit und für göttliche Segnung, Wachstum und Wohlstand geopfert. Die Vorbereitungen begannen bereits ein paar Tage zuvor. Die Priester trafen sich, um fruchtbare Erde zu sammeln und sie in die speziell dafür angefertigten Metallgefäße zu füllen. Eine Mischung aus neun Getreidesorten (Navadhanyam), darunter Reis, Saubohnen, Pferdebohnen und Hirse wurde in die Gefäße gesät.

Am 5. Juni waren die Körner gekeimt und die Hauptphase des Rituals konnte beginnen. Frauen in traditionellen Gewändern, festlich geschmückt, trugen die schweren Gefäße auf dem Kopf in einer prächtigen, farbenfrohen Prozession zum Tempel. Das Ritual wurde fortlaufend von Mantren und Gebeten der Priester begleitet, um die Götter anzurufen und zu ehren. Diese Ehrerbietungen bewirkten eine sehr erhebende Atmosphäre.

Frauen tragen die Gefäße mit den Keimlingen zum Tempeleingang.
Frauen tragen die Gefäße mit den Keimlingen zum Tempeleingang. – Foto: © Amina Mendez, Neukölln Nachrichten

Auch die Priester (Pujaris) waren in traditionellen seidenen Gewändern in leuchtenden Farben gekleidet. Bei einigen waren die Haare zu einem Knoten zusammengebunden. Schwere Ketten, Symbole der religiösen Autorität, zierten den freien Oberkörper der Priester, dessen Zierde die heilige Brahmanenschnur war, ein Symbol der Priesterwürde. Auf der Stirn leuchtete ein Tilaka, heiliges Zeichen, in Form eines roten Punkts. Es ist Symbol des „Dritten Auges“ und steht für spirituelles Wissen und Kraft.

Danach wurden die Opfergaben feierlich ins Innere des Tempels gebracht und dort in Wasser getaucht. Es ist ein Symbol dafür, dass das Leben an die Natur zurückgegeben wird.

Die ländliche Variante des Ankurapanam heißt Mulaipari (Mulai=Spross und Pari=Tontopf) und ist gelebte Tradition in den Dörfern Südindiens. Frauen führen das Ritual durch. Mulaipari-Leiterin ist meist eine Dorfälteste, die viel Weisheit und Würde angesammelt hat. Das Ritual ehrt auch die Frau als Schöpferin und Erzieherin und als lebensspendende Kraft in ihrer Verbindung zur Mutter Erde.

Sprout Basket Ritual im Hindutempel Berlin – Video: © Amina Mendez, Neukölln Nachrichten

Ein besonderes architektonisches Ereignis in Berlin

Der Sri-Ganesha-Tempel in Berlin ist ein Hindu-Tempel im Dravida-Stil. Der Dravidische Stil kommt aus Südindien und zeichnet sich durch eine streng geometrische Bauweise aus.
Auffällig ist das pyramidenförmigen Eingangsportal, ein Turm von 17 Metern Höhe, der mit mehr als 200 Skulpturen von Hindu-Göttern und religiösen Symbolen farbenfroh geschmückt ist. Der Stil wurde seit dem im 4. Jahrhundert vor Christus entwickelt. Bis heute ist er ein bedeutender Teil der indischen Architektur und Kultur.

Wie der Name besagt ist der Sri-Ganesha-Tempel, der Gottheit Ganesha gewidmet. Die Tempelgottheit (vigraha) ist aus aus schwarzem Granit geschnitzt und kam in einer wochenlangen Seereise aus Südindien nach Berlin. Gott Ganesha steht in Südindien für die Beseitigung von Hindernissen und ist der Gott der Neuanfänge.

So passt die Tempeleinweihung in Berlin direkt zu seinem Aufgabenbereich. Sri Ganesha gilt auch als Schutzgott und hilft dem Glauben nach demjenigen, der seinen Segen erbittet, innere und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So unterstützt Ganesha Gläubige beim Start neuer Projekte, beim Antritt einer Reise oder zu Beginn bedeutender Lebensphasen.

Ganesha – einer der beliebtesten Götter in Indien

Ganesha, der elefantenköpfige Gott mit menschlichem Körper, ist in Indien von vielen Legenden und Erzählungen umwoben. Eine der bekanntesten besagt, dass die Muttergöttin Parvati ihn aus Lehm und ihrem eigenen Körperstaub formte. Danach flößte sie ihm göttliche Kraft ein.
Als Shiva, Parvatis Ehemann, von einer Reise zurückkehrte, verwehrte Ganesha ihm den Eintritt ins Haus. Es kam zum Streit, und Shiva enthauptete Ganesha im Zorn. Schnell stellte er fest, dass er seinen eigenen Sohn getötet hatte. Um Parvati zu beruhigen, ersetzte er Ganeshas Kopf durch den eines Elefanten, so dass er weiterleben konnte.

Ganesha wird besonders während des Festes Ganesh Chaturthi verehrt, das meist im August oder September nach Berechnungen des Mondkalenders gefeiert wird. Dann wird er mit vielen Süßigkeiten und seiner Lieblingsspeise, Modaks, gütig gestimmt. Modaks sind süße Teigtaschen aus Reis- oder Weizenmehl, die mit Kokosraspeln, Jaggery (brauner Zucker) und anderen süßen Leckereien gefüllt sind. Vielleicht haben die Berliner deshalb bald wieder eine Gelegenheit, an dem reichen kulturellen Leben der Hindugemeinde Berlin teilzunehmen. Modak ist die Lieblingsleckerei vom Elefantengott Ganesha und zählt in Indien zu den traditionellen Speisen. Im Hindutempel Berlin wacht Sri Ganesha nun auch über die Hauptstadt und schenkt ihr seinen großzügigen Segen, der dank seiner Verehrer leicht zu erreichen ist.

Modak - Lieblingssüßspeise von Gott Ganesha
Modak – Lieblingssüßspeise von Gott Ganesha – Foto: © Atharva Kanekar, Pixabay

In Neukölln gibt es nun zwei hinduistische Tempelgemeinden: neben dem Sri Ganesha-Tempel in der Hasenheide steht in Britz der Sri Mayurapathy Murugan Tempel vom Berlin Hindu Mahasabhai e.V.. Beide Gemeinden werden die kulturellen und menschlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Indien in wunderbarer Weise beflügeln.

Weitere Informationen:

Öffnungszeiten: täglich von 16 bis 18 Uhr | tägliche Arati (Lichtritual) um 16 Uhr

Hindutempel Berlin | Hasenheide 106 | 10967 Berlin | www.hindutempleberlin.de/de


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