Dienstag, 27. Oktober 2020
Home > Aktuell > Aktionsplan Krankenhaushygiene für Berlin

Aktionsplan Krankenhaushygiene für Berlin

Krankenhaushygiene

Berlin will Zahl der Krankenhausinfektionen verringern. Der Senat hat daher auf Vorlage der Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kalayci, den Berliner Aktionsplan Krankenhaushygiene (BAKHH) zur Kenntnis genommen.

Zu hohe Krankheitslast durch Krankenhausinfektionen in Deutschland
Laut Robert Koch-Institut (RKI) erkranken mindestens 3,5 Prozent aller Patientinnen und Patienten an Infektionen, die im Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten Behandlung stehen, sogenannten Krankenhausinfektionen oder nosokomialen Infektionen. In einer Studie des RKI mit Partnern aus Berlin und Stockholm, die in der Fachzeitschrift Eurosurveillance (46/2019) veröffentlicht wurde, wird die Zahl der nosokomialen Infektionen in Deutschland auf 400.000 bis 600.000 pro Jahr geschätzt. Die Zahl der Todesfälle kann durch die weiterentwickelte Methodik verlässlicher erfasst werden und liegt jetzt bei 10.000 bis 20.000 pro Jahr. Berechnet wurde nicht nur die Zahl der nosokomialen Infektionen und Todesfälle. Erstmals wurde für Deutschland auch die Krankheitslast in sogenannten Disability-Adjusted Life-Years (DALY) berechnet. DALY sind die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre. Damit lässt sich der Schaden für die Gesundheit der Bevölkerung (Public Health) besser abbilden und mit anderen Krankheiten vergleichen. Die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre durch nosokomiale Infektionen liegen in Deutschland bei knapp 250.000 pro Jahr (309 pro 100.000 Einwohner).

Handlungsbedarf auch in Berlin
Um einen besseren Schutz für Patientinnen und Patienten in Berlin zu erzielen, hat die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gemeinsam mit Berliner Expertinnen und Experten einen 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Krankenhausinfektionen entwickelt.

Senatorin Kalayci: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Patientinnen und Patienten nach einer ambulanten oder stationären Behandlung an zum Teil lebensgefährlichen Infektionen erkranken, die mit ihrer eigentlichen Erkrankung nichts zu tun haben. Eine besondere Herausforderung stellen in diesem Zusammenhang multiresistente Erreger (MRE) dar, deren Entstehung durch einen unsachgemäßen Antibiotika-Einsatz beschleunigt wird. Sie sind besonders gefährlich, da nur noch wenige oder keine Antibiotika als therapeutisches Mittel zur Verfügung stehen. Die Folge für die Betroffenen sind deutlich schwerere, sogar tödliche Krankheitsverläufe. Das ist vermeidbar. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten wurden deshalb Handlungsschwerpunkte identifiziert und Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Die Umsetzung des Aktionsplans soll dazu beitragen, die Anzahl von Krankenhausinfektionen in Berlin zu reduzieren.“

Der Aktionsplan enthält die Schwerpunkte Fachkräftesicherung, gesamtstädtische Steuerung der Krankenhausbegehungen der Gesundheitsämter, Schaffung von bestmöglicher Transparenz zur Hygiene im Krankenhaus für Patientinnen und Patienten sowie Angehörige und die Berücksichtigung von nosokomialen Infektionen im Kontext des Klimawandels.

Die Vorlage wird nun dem Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme unterbreitet.

Save this post as PDF