Freitag, 23. Oktober 2026
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Ehrung für Prof. Alfred Blaschko (1858-1922)

Prof. Dr. Alfred Blaschko

Der Bezirk Neukölln und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) erinnern gemeinsam an einen bedeutenden Dermatologen und Sozialreformer, der sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts für Menschen mit Geschlechtskrankheiten einsetzte und dazu beitrug, Vorurteile abzubauen und die Versorgung der Erkrankten zu verbessern. Am 26.10.2026 wird an die Leistungen und die Bedeutung Blaschkos für Berlin durch das Anbringen von sechs Erläuterungsschildern im Verlauf der Blaschkoallee in Neukölln erinnert.

Initiiert wurden die Schilder durch den Oldenburger Dermatologen Dr. med. Volker Wendt, der bei der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft für das Gedenken an bedeutende Medizinerinnen und Mediziner zuständig ist. „Der Name Alfred Blaschko steht dafür, Menschen mit Geschlechtskrankheiten nicht wie ‚Aussätzige‘ zu behandeln, sondern wie alle anderen Patienten auch. Sein Verdienst für den Umgang mit Geschlechtskrankheiten und deren Behandlung ist bedeutend“, sagt Volker Wendt.

Dagmar Arnold von der Deutschen Dermatologische Gesellschaft erinnert an seinen Erfolg der Medizingeschichte:

„Um 1900 waren die Geschlechtskrankheiten in Deutschland ein großes Problem. So erkrankten z.B. in Berlin jährlich von 1000 jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren fast 200 an Gonorrhö und 24 an frischer Syphilis. Der Name Alfred Blaschko steht dafür, Menschen mit Geschlechtskrankheiten nicht wie ‚Aussätzige‘ zu behandeln, sondern wie alle anderen Patienten auch“, sagt der Initiator, Dr. med. Volker Wendt, Dermatologe aus Oldenburg und Gedenktafelbeauftragter der DDG. Ende des 19. Jahrhunderts war diese Haltung keineswegs verbreitet. Zudem legte das Krankenversicherungsgesetz von 1883 fest, dass Krankenkassen im Fall von „selbstverschuldeten Ereignissen“ die Zahlung von Krankengeld an Patientinnen und Patienten verweigern konnten. Das galt zum Beispiel für Folgen von „Schlägereien oder Raufhändel“, für „Trunkanfälligkeit“ oder Erkrankungen durch „geschlechtliche Ausschweifungen“. Diese Personen bekamen dann keine Unterstützung. Auf Blaschkos Anregung hin kam es in der 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem Charité-Boykott. Grund war, dass Menschen mit Geschlechtskrankheiten dort zwar aufgenommen, dann aber abgesondert und wie Sträflinge weggesperrt wurden. Besuche von Angehörigen waren untersagt. Die Patienten mussten besondere Anstaltskleidung tragen. Der Boykott führte bei der Charité zu starken Einnahmeverlusten. Blaschko gelang es, durch den ein Jahr dauernden Boykott und mit der Unterstützung fast aller Berliner Krankenkassen, die Charité zur Beseitigung dieser Ausnahmebestimmungen für Geschlechtskranke zu zwingen. Ein großer Erfolg.“

Zitat: idw-nachrichten – Informationsdienst Wissenschaft: Internetlink

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